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Das brennt sich ins Herz! Kurzurlaub mit Tante Inge & Ursel

Ab ins Auto und los geht die Sause. Tipp #1: kompressionsstrümpfe unterwegs mal ausziehen. Drückt auf Dauer!

Am Wochenende war es soweit: Wir waren mit Tante Inge (92) und Ursel (84) in Bad Bevensen. Ein großer Traum ging für die beiden Damen in Erfüllung: Noch einmal in den Urlaub fahren!

72 Stunden haben wir mit Inge und Ursel verbracht, es uns im Hotel gut gehen lassen, die Altstadt unsicher gemacht, alle Kuchen probiert, die es gibt und uns treiben lassen mit Sekt und Erdbeeren bis tief in die Nacht.

Höhepunkt war der Besuch der Jod-Salz-Therme am Samstag. Noch einmal schwimmen gehen, die blöden Knochenschmerzen vergessen, sich leicht fühlen. Ich konnte es in keinem Bild einfangen, aber es hat sich eingebrannt in mein Herz, dieser Moment, als Tante Inge sich in ihrem Badeanzug und mit hochgebundenen Haaren im Wasser einfach nach hinten fallen ließ und freudestrahlend sagte: “Dass ich das noch mal machen kann – ich kann es garnicht glauben! Das glaubt mir ja keiner!” Wir haben uns vom sprudelnden Wasser massieren lassen, andere Leute beguckt und uns in der Dusche über die alternde Haut lustig gemacht. “Glaub mir mal, aus ästhetischen Gründen dürften die mich hier nicht mehr reinlassen” haute Tante Inge splitterfasernackt in der Dusche raus. Wir hatten viel Spaß :-)

Es ist nicht möglich, in einem kurzen Artikel zu beschreiben, was so ein Ausflug mit einem macht und was wir alles erlebt haben. Ich versuche es vielleicht mal so: Es hat so viel Spaß gemacht, zwei alte Menschen so viel lachen zu sehen, wo sie sonst so oft körperliche Beschwerden und Schmerzen haben. Es hat so viel Spaß gemacht, sich gemeinsam an den ganz kleinen Dingen zu erfreuen. Es hat so viel Spaß gemacht, so viel Liebe und Dankbarkeit zu spüren. Und es hat so viel Spaß gemacht, Wünsche zu erfüllen, die sich abspeichern bis ans Lebensende.

Gleichzeitig war es auch anstrengend. 3 Tage im Schneckentempo gehen. 3 Tage doppelt so langsam und dreimal so laut reden. 3 Tage immer wieder die Bedürfnisse rauskitzeln, die diese Generation von sich aus nicht äußert. Am Sonntag Abend waren wir richtig platt und müde – vom Kuchen essen und der Langsamkeit des Seins :-)

Es überwiegt aber das Gefühl der unglaublich tiefen “Beseeltheit”. Bad Bevensen ist ein stinklangweiliger Seniorenort. Wir haben nur alte Menschen gesehen und Rollatoren, Rollstühle und Gehstöcke. 60-jährige waren mit ihren 90-jährigen unterwegs. 3 Tage lang waren wir die jüngsten in diesem Ort mit den ältesten Freundinnen an der Seite.

Ich habe noch nie seit Beginn von diesem Projekt hier mehr gespürt, als an diesem Wochenende, wie wertvoll und erstrebenswert es ist, wenn Alt & Jung gemeinsam das Leben genießen und sich ergänzen. Wir passen sehr gut zusammen – die junge Frische und die alte Weisheit. Ich genieße jede Stunden mit Tante Inge sehr und freu mich jetzt schon auf den Herbst. Dann holen wir sie nach Berlin und gehen zusammen in den Friedrichstadt-Palast Berlin!

Kurzum: Das Wochenende war WOW und zum ersten Mal seit 3 Jahren veröffentliche ich ein Foto von der echten Tante Inge. Weil ich nich anders kann, als euch an diesen glücklichen Augen teilhaben zu lassen…

Einen ausführlicheren Bericht gebe ich gerne persönlich für alle, die Lust bekommen haben, mit ihrem Tandem, Opa, Oma, Großtante, Nachbarin mal eine Sause zu machen. Ich bin nun um einige Erfahrungen reicher, was man für so ein Wochenende braucht. Eins ist in jedem Fall gratis für alle: Lust, es einfach zu tun!

(Kerstin)



One comment

  1. Liebe Kerstin,
    bei der Schilderung und den schönen Fotos spürt man, dass es Euch allen richtig Freude gemacht hat. Da vergisst man natürlich schnell, dass es auch anstrengend war. Besonders freut es mich für Tante Inge, deren Grußkarte aus Bad Bevensen wir gestern bekommen haben. – Ihr Beide, Du und Franzi, bekommt deshalb von Rosi und mir auf diesem Wege einen dicken Umärmler.
    Bis bald
    Reinhold


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