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Tante Inge auf halber Treppe in Schöneberg

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Frisch gebrühter Kaffee, selbstgemachter Kuchen, ein grandioser Blick aus dem sechsten Stock auf das Schöneberger Häusermeer und bestens gelaunte Teilnehmer – fabelhafte Voraussetzungen für unser zweites Café auf halber Treppe – diesmal in dem Seniorenzentrum Schöneberg.

Von Anne Brauer

Das Jahr 2015 steckt noch in den Babyschuhen, doch das hält uns von Tante Inge nicht davon ab, zusammen mit unseren Kolleginnen von „Auf halber Treppe“ am 09. Januar 2015 um 13 Uhr an der Tür des Seniorenzentrums Schöneberg zu klingeln. Vollgepackt mit Kuchen, Stiften, Postkarten und einer großen Portion Motivation bitten wir um Einlass, denn wir haben – wie zuvor in Neukölln – wieder Großes vor. Zum zweiten Mal wollen wir gemeinsam das Café Tante Inge auf halber Treppe durchführen, um auch in Schöneberg Jung & Alt zusammenzuführen.

 Bevor es losgehen kann…

Frau Mönnich begrüßt uns bereits auf dem ersten Treppenabsatz und gibt uns mit ihrer herzlichen Art sofort das Gefühl, dass wir zum Team des Hauses gehören. Mit dem Fahrstuhl geht es hinauf in den 6. Stock und hinein in einen liebevoll gestalteten Raum mit traumhaftem Ausblick. Die Tische sind bereits eingedeckt und so im Raum angeordnet, dass sich die jüngeren und älteren Teilnehmer anschauen können, aber auch die Chance haben, den Blick nach draußen zu genießen. Wir sorgen noch schnell für das richtige Licht – Kerzenschein sollte das Eis zwischen Alt & Jung ruckzuck zum Schmelzen bringen! Herr Schäfer, der Leiter des Seniorenzentrums, versorgt uns mit wohlriechendem, frisch gebrühten Kaffee und begrüßt uns ebenso herzlich wie Frau Mönnich. Nachdem auch die leckeren selbstgemachten Schoko-, Apfel- und Kirschkuchen angeschnitten und auf Tellern dekorativ auf dem Buffet angerichtet sind, kann es fast losgehen. Doch ein wichtiger Punkt in den Vorbereitungen fehlt noch!

Wir sehen uns um 15 Uhr!

Zusammen mit Frau Mönnich mache ich mich auf den Weg, um nochmals persönlich bei allen Bewohnern, die wir zu dem Café eingeladen haben, vorbeizuschauen. Ich bin gespannt und auch ein wenig aufgeregt, schließlich lerne ich jetzt die Damen und Herren in ihrer persönlichen Umgebung kennen und möchte ja alles richtig machen. Doch die anfänglichen Zweifel sind im Nu verflogen, als die erste Tür aufgeht und wir vor dem Bett von Frau Seemann stehen. Mit blitzenden Augen und festem Händedruck begrüßt mich die Dame und verrät mir, dass sie aktuell einen Grisham-Thriller verschlingt. Gern komme sie in einer Stunde zu unserem Café.

So unterschiedlich die einzelnen Zimmer gestaltet sind, so unterschiedlich sind auch die Charaktere ihrer Bewohner. So bewundere ich bei dem weitgereisten Herrn Blümlein im Zimmer die beeindruckenden Holzmasken aus aller Welt. Herr Dehring hingegen gibt mir gleich Tipps für einen neuen Drucker, nachdem ich seinen Computer entdeckt habe. Allesamt strahlen sie mich an und freuen sich darauf, dass es um 15 Uhr endlich losgeht. Selbst Frau Tietz, die am Fenster sitzt und das Treiben auf der Hauptstraße beobachtet, kann überzeugt werden: Na jut, mal sehen, was passiert!

Mit dieser Offenheit begegneten uns auch die jüngeren Teilnehmerinnen, die dieses Mal eine halbe Stunde eher eintrudelten. Dieser Zeitvorsprung gab uns die Chance, noch offene Fragen zu klären: Wie fange ich bloß das Gespräch an? Kann ich mit den älteren Damen und Herren über alles reden? Wer ist denn da so mit dabei? Was passiert, wenn ich neben jemandem sitze, mit dem ich doch nicht warm werde? Mit großer Erleichterung nahmen Barbara, die nur eine Querstraße entfernt wohnt, sowie Nora, Jessica, Andrea und Jessica unseren Tipp an: Seid ihr selbst und traut euch, aufzustehen und auf die Bewohner des Hauses zuzugehen.

Plausch bei Kaffee und Kuchen

Dann ist es so weit – Frau Seemann, Herr Blümlein, Herr Dehring und Co betreten nach und nach den liebevoll hergerichteten Raum. Noch ein wenig schüchtern und unsicher gehen Jung und Alt aufeinander zu, begrüßen sich und suchen sich gemeinsam einen Platz an einem der Tische.

Doch der Damm bricht schnell, als alle Teilnehmer mit einer kurzen Moderation einander vorgestellt werden. Wer hätte gedacht, dass Miss D so gern flüchten möchte? Ja, das ist gleich der perfekte Anknüpfungspunkt für Jessy, um mit Miss D gemeinsam bei Kaffee und Kuchen einen Fluchtplan auszuhecken – auf Zeit, versteht sich!

Wie bei dem letzten Kaffee bewirten die Jüngeren die Bewohner mit Kaffee und Kuchen vom Buffet – so entstehen sogleich die ersten Gespräche und man kann auch schauen, wer da noch so an den Tischen sitzt.

Eine ältere Dame, von Frau Mönnich liebevoll als Queen Mum vorgestellt, schart von Beginn an gleich mehrere Teilnehmerinnen um sich – mit ihren 99 Jahren hat sie besonders viel zu erzählen …

Es funkt – und wie!

Nach zwei Stunden haben sich verschiedene Gesprächskreise gebildet, Adressen werden ausgetauscht und mit glänzenden Augen gemeinsame Pläne geschmiedet:

Jessica möchte mit Queen Mum gemeinsam Prosecco schlürfen, Andrea und Frau Lindner wollen so schnell wie möglich bei einem gemeinsamen DVD-Nachmittag Elvis Presley in seinen besten Jahren anhimmeln und Jessy und Miss D ziehen einer Aktion im Haus eine gemeinsame Flucht nach draußen vor. Die passionierten Fotografen Frau Seemann, Herr Dehring und Nora verabreden sich zu einem gemeinsamen Besuch ins c/o Berlin im Amerika-Haus, um direkt vor Ort weiter über Kontaktbögen, Perspektiven und Motivwahl zu fachsimpeln.

Wir von Tante Inge auf halber Treppe können es kaum glauben und sind vom Glück beseelt – jede der jüngeren Teilnehmerinnen hat ein Tandem mit einem der Bewohner gebildet! Ein wirklich fantastisches Gefühl, dass wir mit unserem Café dazu beitragen konnten, dass Jung & Alt rund um das Seniorenzentrum Schöneberg zueinander gefunden haben.

Dass wir wiederkommen, steht bereits fest – die Dachterrasse ist perfekt, um mit einem kühlen Getränk in der Hand und entspannter Musik im Ohr einen lauen Sommerabend ausklingen zu lassen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei:

  • den fabulösen Kolleginnen von „Auf halber Treppe“
  • dem Seniorenzentrum in Schöneberg, hier insbesondere dem Leiter, Herrn Schäfer, und Frau Mönnich
  • allen TeilnehmerInnen
  • unseren treuen Tante Inge-Fans auf facebook und twitter

So, und damit uns allen weiter warm ums Herz bleibt – Ende Februar heißt es in der Casa Reha in Neukölln: Tante Inge strickt! Wer von euch Lust und Zeit hat, kann die Stricknadeln und Wollknäuel einpacken und vorbeischauen, um gemeinsam mit den Bewohnern Masche für Masche an der Idee von Tante Inge mitzustricken!

Nähere Infos folgen!

 

 Hinweis: Die Namen der Bewohner wurden von der Autorin geändert!

 

 



3 comments

  1. Hallo aus Köln nach Berlin,

    eine super schöne Idee! Haltet mich auch dem Laufenden.

    Herzliche Grüße
    Diana Haß

  2. Was für eine tolle Geschichte!
    Ich leite eine Pflegeeinrichtung in Willstätt (Baden-Württemberg) und erlebe täglich Senioren, die keinen oder nur sehr selten Besuch bekommen. Ich bin deshalb ständig auf der Suche nach eben diesen Ideen. Ich würde mich sehr freuen, euch mal kennenzulernen und mehr zu erfahren.

    Viele Grüße aus dem Süden Deutschlands

    Sysett Twrdy

    • Hallo Sysett, danke für dein Interesse an unserem Projekt. Wär doch toll, wenn wir in deiner Einrichtung auch ein Tante Inge Projekt hinbekommen. Meld dich doch mal persönlich bei uns (Mail oder Telefon) – dann können wir darüber mal persönlich sprechen. Freuen uns über jede Kooperation! Lieben Gruß Kerstin


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